Grundlagen

Marge berechnen: Formel, Beispiel und der Unterschied zur Spanne

Die Marge sagt dir, wie viel von jedem eingenommenen Euro tatsächlich als Gewinn übrig bleibt. Sie ist die wichtigste Kennzahl, wenn du Preise kalkulierst, denn ein hoher Umsatz nützt wenig, wenn die Spanne zu dünn ist. In diesem Ratgeber rechnen wir die Marge einmal vollständig durch und klären den Unterschied zu Spanne und Aufschlag, der in der Praxis ständig zu Fehlern führt.

Die Formel für die Gewinnmarge

Die Gewinnmarge setzt den Gewinn ins Verhältnis zum Verkaufspreis:

Marge (%) = (Verkaufspreis − Einkaufspreis) / Verkaufspreis × 100

Der Zähler ist der absolute Gewinn in Euro, oft auch Rohertrag genannt. Der Nenner ist der Verkaufspreis. Genau dieser Bezugspunkt unterscheidet die Marge vom Aufschlag, dazu gleich mehr.

Ein Beispiel: Du kaufst ein Produkt für 40 Euro netto ein und verkaufst es für 100 Euro netto. Der Gewinn beträgt 60 Euro. Die Marge ist also 60 geteilt durch 100, das sind 60 Prozent. Von jedem verkauften Euro bleiben dir 60 Cent vor weiteren Kosten.

Schritt für Schritt durchgerechnet

Nimm einen Online-Händler, der Trinkflaschen verkauft. Der Einkauf liegt bei 6,80 Euro netto pro Stück, der Verkaufspreis bei 19,90 Euro netto.

  1. Gewinn berechnen: 19,90 − 6,80 = 13,10 Euro
  2. Gewinn durch Verkaufspreis teilen: 13,10 / 19,90 = 0,658
  3. Mit 100 multiplizieren: 65,8 Prozent

Die Marge beträgt also rund 66 Prozent. Das klingt komfortabel, doch dieser Wert ist die reine Handelsspanne auf Produktebene. Versand, Verpackung, Retouren, Zahlungsgebühren und der Marktplatz-Anteil sind hier noch nicht abgezogen. Die Rohmarge ist deshalb immer nur der erste Blick, nicht das Endergebnis.

Marge, Spanne und Aufschlag sind nicht dasselbe

Hier liegt der häufigste Denkfehler. Drei Begriffe, die im Alltag durcheinandergehen:

BegriffBezugsgrößeBeispiel (EK 40, VK 100)
Marge / SpanneVerkaufspreis60 / 100 = 60 %
Aufschlag (Kalkulationszuschlag)Einkaufspreis60 / 40 = 150 %
Roherteil in Euroabsolut60 €

Marge und Handelsspanne meinen in der Praxis dasselbe: beide beziehen den Gewinn auf den Verkaufspreis. Der Aufschlag dagegen rechnet vom Einkaufspreis aus. Deshalb ist die Aufschlagsprozentzahl immer höher als die Margenprozentzahl, sobald überhaupt ein Gewinn entsteht.

Wer die beiden verwechselt, kalkuliert systematisch falsch. Ein Lieferant, der von 50 Prozent spricht, meint je nach Branche das eine oder das andere. Frag im Zweifel nach dem Bezugspunkt, bevor du den Preis übernimmst.

Von der Marge zum Verkaufspreis

Oft kennst du den Einkaufspreis und willst eine Zielmarge erreichen. Dann stellst du die Formel um:

Verkaufspreis = Einkaufspreis / (1 − Zielmarge)

Beispiel: Einkauf 30 Euro, Zielmarge 40 Prozent. Verkaufspreis = 30 / (1 − 0,4) = 30 / 0,6 = 50 Euro. Die Probe bestätigt es: (50 − 30) / 50 = 40 Prozent.

Achtung, ein klassischer Fehler: Wer einfach 40 Prozent auf den Einkauf aufschlägt (30 × 1,4 = 42 Euro), landet nicht bei 40 Prozent Marge, sondern nur bei rund 28,6 Prozent. Das ist der Unterschied zwischen Aufschlag und Marge in barer Münze.

Häufiger Fehler: Zielmarge nicht durch Aufschlag ersetzen. Eine 40-Prozent-Marge verlangt eine Division durch 0,6, nicht eine Multiplikation mit 1,4. Der Unterschied wächst mit der Zielmarge.

Welche Marge ist normal?

Eine pauschale Antwort gibt es nicht, weil die übliche Spanne stark von der Branche abhängt. Der Lebensmitteleinzelhandel arbeitet mit sehr dünnen Margen und gleicht das über hohe Stückzahlen aus. Mode, Möbel oder Kosmetik liegen deutlich höher, weil Lagerrisiko, Saisonalität und Beratung eingepreist werden. Im Dienstleistungsbereich ist die Materialmarge oft zweitrangig, dort zählt der Stundensatz.

Wichtiger als ein Branchenvergleich ist die ehrliche Vollkostenrechnung: Erst wenn alle variablen und fixen Kosten abgezogen sind, zeigt sich, ob die Rohmarge wirklich trägt. Eine Bruttomarge von 60 Prozent kann nach Versand, Werbung und Retouren auf eine einstellige Nettomarge schrumpfen.

Brutto oder netto rechnen

Margen werden kaufmännisch immer auf Nettobeträge bezogen, also ohne Umsatzsteuer. Das ist logisch, denn die Umsatzsteuer ist ein durchlaufender Posten, den du an das Finanzamt abführst. Sie gehört dir nicht und darf die Marge nicht aufblähen.

Wer mit Bruttopreisen hantiert, etwa weil die Kasse Bruttobeträge anzeigt, muss die Steuer vor der Margenrechnung herausrechnen: Nettobetrag = Bruttobetrag / 1,19 beim Regelsteuersatz. Erst danach greift die Margenformel sauber.

Die Marge im Dienstleistungsgeschäft

Bei Dienstleistern gibt es keinen Wareneinkauf im klassischen Sinn, trotzdem hat jeder Auftrag eine Marge. An die Stelle des Einkaufspreises treten die direkten Kosten der Leistungserbringung: die eingesetzte Arbeitszeit zum Selbstkostensatz, Fremdleistungen und projektbezogenes Material.

Ein Beispiel aus einer Agentur: Ein Projekt wird für 5.000 Euro netto verkauft. Direkt zurechenbar sind 28 Arbeitsstunden zu einem internen Kostensatz von 65 Euro, also 1.820 Euro, plus 400 Euro Fremdleistung. Die direkten Kosten betragen 2.220 Euro, der Rohertrag 2.780 Euro. Die Projektmarge liegt damit bei 2.780 / 5.000 = 55,6 Prozent. Diese Zahl ist die Grundlage, um zu beurteilen, ob der Stundensatz auskömmlich ist, denn von diesem Rohertrag müssen noch alle nicht direkt zurechenbaren Kosten wie Verwaltung, Vertrieb und Leerlaufzeiten getragen werden.

Gerade die Leerlaufzeit ist im Dienstleistungsgeschäft der heimliche Margenkiller. Wer nur 60 Prozent seiner Arbeitszeit fakturieren kann, muss diese Auslastung in den Stundensatz einpreisen, sonst frisst die unbezahlte Zeit die scheinbar gute Projektmarge wieder auf.

Marge visuell verstehen

Aufteilung eines Verkaufspreises von 100 Euro in Einkauf und Marge Einkauf 40 € Marge 60 € (60 %) Verkaufspreis 100 € (netto)
Die Marge ist der Teil des Verkaufspreises, der nach Abzug des Einkaufs übrig bleibt. Bezugsgröße ist der gesamte Balken, nicht der graue Einkaufsanteil.

Diese Darstellung macht den Kern sichtbar: Die Marge bezieht sich auf den gesamten Balken, also den Verkaufspreis. Der Aufschlag würde sich dagegen nur auf den grauen Einkaufsanteil beziehen, weshalb seine Prozentzahl bei gleichem Eurobetrag immer größer ausfällt.

Drei Rechenfehler, die richtig Geld kosten

Erstens, die Verwechslung von Marge und Aufschlag bei der Preisfindung. Sie führt fast immer zu einem zu niedrigen Preis, weil die Aufschlagslogik intuitiver wirkt.

Zweitens, das Rechnen mit Bruttobeträgen bei unterschiedlichen Steuersätzen. Wer Lebensmittel mit 7 Prozent verkauft, aber Verpackung mit 19 Prozent einkauft, verzerrt die Bruttomarge spürbar.

Drittens, das Vergessen der versteckten Verkaufskosten. Im Onlinehandel sind das Versand, Retouren und Plattformgebühren, im stationären Handel Schwund und Reduzierungen. Diese Kosten gehören in eine ehrliche Kalkulation, auch wenn sie nicht direkt auf der Rechnung stehen.

Praxistipp: Rechne neben der Produktmarge immer eine zweite Zahl, die alle Verkaufsnebenkosten einbezieht. Erst diese bereinigte Marge zeigt, ob ein Artikel sich nach allem Drumherum noch lohnt.

Worauf es ankommt

Die Marge ist schnell gerechnet, aber nur dann aussagekräftig, wenn drei Dinge stimmen: Du beziehst den Gewinn auf den Verkaufspreis und nicht auf den Einkauf, du rechnest mit Nettobeträgen, und du verwechselst die Rohmarge nicht mit dem, was am Monatsende wirklich übrig bleibt. Wenn du diese drei Punkte beherrschst, ist die Kalkulation kein Bauchgefühl mehr, sondern eine nachprüfbare Zahl. Den Rechenweg nimmt dir der Margen-Rechner ab, das Verständnis dahinter bleibt deins.

Häufige Fragen

Wie berechnet man die Marge?

Marge in Prozent = (Verkaufspreis minus Einkaufspreis) geteilt durch Verkaufspreis, mal 100. Bei einem Einkauf von 40 Euro und Verkauf von 100 Euro sind das (100-40)/100 = 60 Prozent.

Was ist der Unterschied zwischen Marge und Aufschlag?

Die Marge bezieht den Gewinn auf den Verkaufspreis, der Aufschlag bezieht ihn auf den Einkaufspreis. Derselbe Euro-Gewinn ergibt deshalb zwei verschiedene Prozentzahlen. Ein Aufschlag von 100 Prozent entspricht einer Marge von 50 Prozent.

Ist die Marge brutto oder netto gemeint?

Kaufmännisch wird die Marge auf Nettobeträge gerechnet, also ohne Umsatzsteuer. Wer mit Bruttopreisen rechnet, muss die Umsatzsteuer vorher herausrechnen, sonst fällt die Marge zu hoch aus.

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Quellen

Marge direkt ausrechnen

Einkaufspreis, Verkaufspreis und Marge in Sekunden.

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